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Ein Rettungsboot vor dem Roland
30.04.2015
Historische Seenotrettung Horumersiel stellt „August Grassow“ zum DGzRS-Jubiläum aus.

Das Jubiläumsmotiv der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, mit der auf Bootsmessen und im Internet für das Ereignis im Mai geworben wird: Vorn die „August Grassow“, von den Horumersielern liebevoll restauriert, dahinter die in Hooksiel beheimatete „Vormann Steffens“, ein Seenotkreuzer der 27,5-Meter-Klasse. Benannt ist der Kreuzer nach der Neuharlingersieler Familie Steffens, der seit vielen Generationen Seenotretter entstammen. (Foto: Peter Neumann, www.ypscollection.de)

Wenn die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) im Mai ihr 150-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Bremer Rathaus feiert, sind die Mitglieder des Vereins Historische Seenotrettung Horumersiel in vorderster Front dabei. Das restaurierte Ruderrettungsboot „August Grassow“ wird auf dem Marktplatz vor dem Roland ausgestellt. „Wir müssen dafür einen Teppich ausrollen, denn auf dem geschichtsträchtigen Platz dürfen die eisenbeschlagenen Räder des Ablaufwagens nicht rollen“, weiß Wieland Rosenboom, Vorsitzender der „historischen Seenotretter“.

Die Veranstaltungen zum 150. Geburtstag der „Gesellschaft“ beginnen am 13. Mai mit einer Ausstellung im Rathaus zu Bremen. Am Freitag, 29. Mai, findet dort ein Festakt mit 400 Ehrengästen statt, darunter der Schirmherr, Bundespräsident Joachim Gauck. Anschließend soll auf dem Marktplatz der Hansestadt der Neubau eines Rettungsbootes der 10,50-Meter-Klasse getauft werden. Taufpatin wird dem Vernehmen nach die Lebensgefährtin des Bundespräsidenten, Daniela Schadt, sein.

Das Ruderrettungsboot „August Grassow“, das die Mitglieder des Vereins Historische Seenotrettung in jahrelanger, liebevoller Kleinarbeit detailgetreu restauriert haben, dient dabei als Dekoration. Festgäste und Besucher können im direkten Vergleich beider Bootstypen erfahren, welche rasante Entwicklung die Seenotrettung in 150 Jahren genommen hat. Die Geburtstagsfeier soll mit einem informativen und unterhaltsamen Programm am 30. Mai fortgesetzt werden.

Anlass für die Gründung der DGzRS sind zwei schwere Schiffsunglücke auf den ostfriesischen Inseln Mitte des 19. Jahrhunderts. 1854 strandet das Auswandererschiff „Johanne“ von Bremerhaven kommend auf Spiekeroog. 77 Menschen, darunter 25 Kinder, verlieren das Leben, ohne dass die Insulaner helfen können. Als sechs Jahre später die Brigg „Alliance“ vor Borkum aufläuft, ruft der Emder Oberzollinspektor Georg Breusing 1861 den „Verein zur Rettung Schiffbrüchiger an den ostfriesischen Küsten“ ins Leben - ein Vorläufer der DGzRS, die sich am 29. Mai 1865 in Kiel zusammenschließt.

Schon 1866 wird die DGzRS-Station Horumersiel gegründet. Das Ruderrettungsboot liegt in einem Schuppen am Deich bei Schillighörn. Es ist nur 7,20 Meter lang und aus Holz gebaut. Bereits ein Jahr später wird es durch ein größeres Boot ersetzt, das auch Segel trägt. 1871 errichtet die Gesellschaft am Hafen in Horumersiel einen neuen Schuppen und stellt die  „Oldenburg“ in Dienst. Auf Wangerooge hat die Seenotrettung noch ältere Wurzeln: Bereits 1863 übernimmt der Schiffer Daniel Janßen Hanken den Vorsitz des ersten Ortsausschusses des „Rettungsvereins für die Unterweser“ auf  der Insel. Die Sielhafen Hooksiel verfügte von 1874 bis 1930 über eine Seenotrettungsstation.

„Das wird sicher eine spannende Sache in Bremen“, glaubt Wieland Rosenboom, zumal die Horumersieler Akteure in ihrer traditionellen Bekleidung ebenfalls mit von der Partie sind. (tk)


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